ErdhügelhausDie Höhlenwohnungen amerikanischer Ureinwohner stand Pate für das Erdhügelhaus der Firma ARCH NOVA. Gemeinsam mit dem Architekten Jürgen Carstens, der dieses Haus auch bis heute bewohnt wurde das Erdhügelhaus "SolArc" von Gerd Hansen 1991 konzipiert. Aufgrund der mit insgesamt 15 Häusern gesammelten Erfahrungen entschloss sich Archy Nova 2004 zu einer Neukonzeption und Vorfertigung in kleinen Serien, was sich vorteilhaft auf die Preisgestaltung auswirkte. Die Häuser werden in einer Ausbauversion, also nicht schlüsselfertig angeboten. Das selbsttragende Tonnengewölbe macht es dabei möglich, dass die innere Raumaufteilung völlig variabel bleibt, und so jeder Bauherr seine eigene Vision beim Ausbau verwirklichen kann. Markenzeichen der Erdhügelhäuser sind ein Tonnengewölbe aus dem nachwachsenden Baustoff Holz sowie eine meterdicke Erdüberdeckung. Bauen im Einklang mit der Natur wird so zum signifikanten optischen Eindruck. Lediglich die Giebelseiten, gefertigt in Holzrahmenbauweise, werden mit Fenstern versehen. Wahlweise können sich die Bauherren dort für eine Holzschalung, Verklinkerung oder eine Putzfront entscheiden. Da die Gewölbekonstruktion durch Leimbinder selbst tragend ist, kann der Grundriss ganz individuell gestaltet werden. Aus der Literatur ist der Philosoph Diogenes bekannt, der bescheiden in einer Tonne wohnte. Das ‚SolArc’- Programm wurde dadurch inspiriert, die Lebensqualität in den Erdhügelhäusern ist jedoch eine ganz andere. Markant ist die bis zu drei Meter dicke Erdüberdeckung, die gleich mehrere Vorteile bietet. Das Haus ist extrem geschützt gegen Unwetter. Die Erdschicht nimmt darüber hinaus Regenwasser auf und gibt es zeitversetzt an das Grundwasser ab. Dadurch wird aktiver Hochwasserschutz betrieben – das kann sich in einer Siedlung sehr bemerkbar machen. Außerdem lässt sich das begrünte Dach als Garten nutzen – und es sieht einfach gut aus. Auch im Inneren wirkt sich das Erdreich mit seiner temperierenden Masse vorteilhaft aus – das Haus bleibt an heißen Sommertagen angenehm kühl und im strengen Winter ohne großen Aufwand relativ warm. Selbst bei 15 Grad minus würde die Raumtemperatur ohne Heizen plus drei Grad betragen. Ausschlaggebend für diesen Effekt ist auch die Tonnenform des Hauses – die Abstrahlungsflächen sind um 20 Prozent geringer als bei einem Satteldachhaus. Da Zweidrittel des Gebäudes mit der Erdüberdeckung versehen und somit luftdicht sind, ist es perfekt geeignet für stürmische Standorte. Das Erdhaus ist ein besonderes Beispiel für die integrierte Planung, wie sie von der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschrieben wird. Im Mittelpunkt steht immer das Haus als Ganzes. Die Haustechnik ist zugeschnitten auf die Besonderheiten der Architektur – und bei der Entwurfsplanung wurden von Anfang an Überlegungen zum Heizen ohne fossile Brennstoffe berücksichtigt. So dienen die Solarkollektoren nicht nur zur Brauchwassererwärmung, sondern auch zur Verschattung und als Schutz vor Regen. Mit Blick auf die Nutzung regenerativer Heizquellen setzen die Architekten Hansen und Carstens seit 1991 auf eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, und - wie sollte es bei einem Erdhügelhaus auch anders sein - natürlich mit Vorerwärmung der angesaugten Luft in einem erdverlegten Kanal. Das Erdhügelhaus "SolArc" zeigt in besonderer Weise, wie weit gefasst architektonische Gestaltungsräume des individuellen Hausbaus zu sehen sind. Die Schonung der Natur ist und bleibt dabei der alleinige Maßstab. Gerd Hansen weitere Artikel aus der Kategorie Haus-und-Garten |
